Evangelische Stadtkirchenarbeit Mainz
Grußwort des schwedischen Botschafters

STAFFAN  CARLSON

zur Mainzer Veranstaltung zu
DAG HAMMARSKJÖLD am 18.September 2011 - 50.Todestag
in St. Johannis

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Sehr geehrter Herr Pfarrer Beier,

sehr verehrte Besucher,

es freut mich, dass die Gemeinde hier in Mainz Dag Hammarskjölds Leben und Wirken am heutigen Gedenktag ehrt.

 

Als Generalsekretär der Vereinten Nationen stand Dag Hammarskjöld im Zentrum der weltpolitischen Ereignisse – angetrieben von seiner inneren Überzeugung und von einem starken Willen, in den schwierigen Zeiten des Kalten Krieges konstruktiv nach Lösungen für Konflikte zu suchen. Er verfügte über ein hohes Maß an Kreativität, und sein Mut und seine Ausdauer waren bewundernswert.  

 

Als Mensch war Hammarskjöld eher still und nachdenklich, ein Mensch,  der in sich und seiner Überzeugung ruhte, aufgewachsen und erzogen in einem von Kriegen verschonten Land Schweden.    

 

Dag Hammarskjöld wuchs in einem bürgerlich akademischen Milieu in der Universitätsstadt Uppsala auf. Er studierte Jura und Wirtschaftswissenschaften, aber auch Philosophie und Literatur. Die Wirtschaftswissenschaften führten ihn früh zu wichtigen Arbeitsaufgaben im zentralen Staatsapparat, zuerst im Finanz- später im Außenministerium.

 

Durch seine analytischen Fähigkeiten, seine Kompetenz und Ausdauer entwickelte sich Dag Hammarskjöld zu einem herausragenden Kandidaten für eine führende internationale Tätigkeit. Als er 1953 als unbekannter Schwede überraschend zum Generalsekretär der Vereinten Nationen gewählt wurde, verknüpfte man mit ihm vielleicht nicht unbedingt die höchsten Erwartungen. Doch genau in dieser Funktion sollte er eine persönliche Stärke und Integrität beweisen, die heute geradezu legendär geworden ist.

 

In seiner Rolle als Generalsekretär war er ein wahrhafter Verteidiger der Idee und der Charta der Vereinten Nationen, des Rechts kleinerer Staaten  und Völker auf Selbstbestimmung und der friedlichen Lösung von Konflikten mithilfe der internationalen Diplomatie. Persönliche Beziehungen zu politischen Führern in der ganzen Welt zählten zu seinen wichtigsten Instrumenten, um die Rolle und die Handlungsfähigkeit der Vereinten Nationen zu stärken. Er zögerte aber auch nicht, militärische Mittel einzusetzen, um diplomatisch verhandelte Lösungen durchzusetzen. Das Fundament für die Friedenstruppen der Vereinten Nationen wurde zu Zeiten Hammarskjölds gelegt.

 

Sein ganzes Leben lang verblieb er aber auch ein philosophischer und religiöser Mensch. Seine literarische Begabung bescherte ihm eine Mitgliedschaft in der Schwedischen Akademie. Die religiöse und literarische Seite Hammarskjölds zeigt sich in dem postum herausgegebenen Vägmärken (Zeichen am Weg), ein in vielerlei Hinsicht bemerkenswertes Buch, das Gedanken und Betrachtungen mehrerer Jahre in kurzen Versen und Notizen sammelt.

 

Vielleicht ist es der Kontrast zwischen dem Bild eines handlungsfähigen Generalsekretärs auf internationaler Ebene einerseits und dem eines reflektierenden, empfindsamen Privatmenschen andererseits, der nach wie vor die Faszination Dag Hammarskjölds ausmacht. Doch es gibt auch eindeutige Verbindungen zwischen der Lebensphilosophie der Privatperson Hammarskjöld und dem Handeln als öffentlichen Person. Sein Ziel war es, die Kraft der Vereinten Nationen durch Solidarität, Empathie und Integrität zu stärken – Eigenschaften, die ihn auch als Privatperson auszeichneten.

 

Die Erinnerung an Dag Hammarskjöld lebt auf unterschiedliche Art und Weise in verschiedenen Teilen der Welt weiter. Von seiner inneren Überzeugung als Grundlage für ein entschlossenes Handeln in einer schweren öffentlichen Rolle können wir nach all den Jahren noch immer viel lernen.

 

Vielen Dank.

 

Staffan Carlsson
Botschafter



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