Evangelische Stadtkirchenarbeit Mainz
 
ERFREULICH POSITIVE RESONANZ
auf die Veranstaltung


"Den Glauben ins Leben ziehen -
450 Jahre Heidelberger Katechismus"


Festvortrag Frau Prof. Dr. Irene Dingel

am 12. November um 19 Uhr
in der Christuskirche Mainz

- mit Orgelmusik und Ausstellung
Einlaß ab 18 Uhr

Über 70 interessierte Zuhörende folgten der Einladung zum Festvortrag. Nach dem einführenden Orgelbeitrag von Kantor Ellenberger - einem "Ricercar" von J.P. Sweelinck aus dem reformiert geprägten Amsterdam - begrüßte Pfr. Beier die Referentin, die übrigens im Jahr 2013 ihr 20jähriges "Heidelberger Habilitationsjubiläum" feiern kann, und die Gäste.

In seiner Hinführung unterstrich Pfr. Beier die Bedeutung von "Bekennen" des christlichen Glaubens, nicht als "Wortspiel", sondern als Bekenntnis mit "Wort und Tat" mit glaubwürdigen "Früchten eines Christlichen Lebens". Als Beispiel nannte er Bruder Yun, einen Christen aus der sogen. "Hauskirchenbewegung" in China, der wegen seines Glaubens gefoltert wurde und bei einer Veranstaltung in Mainz "Dialog mit dem Drachen - Begegnung mit China" von seinem "Bekennen in einer Christenverfolgung" " berichtet hatte.

Frau Prof. Dr. Dingel begann ihren Beitrag mit einer Bezugnahme auf die aktuell so ausufernde Literaturgattung von "Ratgebern" für alle Lebenslagen.
Der "Heidelberger Katechismus" hatte im Kern diesselbe Grund-Orientierung: er wollte raten und helfen zu einem getrösteten und glaubwürdigen Christenleben in Verantwortung vor Gott.

"Genau genommen will ein Katechismus, wenn wir ihn in seinen - freilich ungeschriebenen - Intentionen betrachten, nicht viel anderes leisten als Krisenbewältigung und Lebensorientierung. Nur in einem entscheidenden Punkt differieren Katechismus und Ratgeberliteratur grundlegend. Der Katechismus zielt nicht auf zeitliche und weltliche Werte als Maßstäbe für gelingendes Leben, sondern vermittelt in kondensierter Form die Aussagen der Heiligen Schrift, um die Bewältigung dessen zu ermöglichen, was menschliche Existenz in ihrem Kern bestimmt und - in den damaligen unsicheren Zeiten unmittelbarer und wahrnehmbarer als heute - in permanente Krisen stürzt: nämlich die Unberechenbarkeit des Lebensschicksals, die Spannung zwischen Leben und Sterben" (ZITAT Beitag DINGEL )

In ihrem kirchengeschichtlichen Hauptteil trug sie die Hauptgedanken dieses Textes vor - nicht zuletzt in seiner profilierten Positionierung in Abgrenzung sowohl zu den "Altgläubigen" ( röm. kath. Kirche ) wie auch zu den Lutheranern.
Dies wird besonders deutlich an den klassisch-theologischen Themenfeldern wie z.B. der Deutung des Abendmahl - insbesondere in seiner 2. bzw. 3. Auflage grenzt er sich deutlich vom römisch-katholischen ( dem "päpstlichen" ) Verständnis der Messe ab. Denn im Tridentinischen Konzil hatte sich die römische Kirche gerade angesichts der reformatorischen Bewegung neu positioniert, und die Dekrete zur Messe waren schon 1562 bekannt geworden.


Insgesamt ging es ihm um ein "Überwindung einer alten Ordnung, Fortführung der steckengebliebenen reformatorischen Ansätze in Erneuerung und Verbesserung der theologischen Lehre - dies bedeutete zugleich, daß der "Heideberger Katechismus sich von dem abgrenzen mußte, was man für verderbt hielt." (ZITAT Beitrag DINGEL ).

Zu diesen strittigen Themenfeldern gehören auch die unterschiedliche Zählung der 10 Gebote und die Rolle des Bildes im religiösen Kontext, nicht zuletzt im Kirchenraum.

In ihrer Conclusio, d.h. ihrem zusammenfassendem Schlußteil, wies Frau Prof. Dr. Dingel hin:

"Bekenntnisse und Katechismen sind dynamische Texte, die in unterschiedliche Zeitzusammenhänge hineinsprechen und aus diesen verschiedenen Zusammenhängen heraus auch unterschiedlich rezipiert werden.
...
Auf diese Weise kann der Heidleberger Katechismus als eine Vorstufe moderner Konsenserklärungen - wie etwa der Leuenberger Konkordie - in den Blick rücken, unabhängig davon, ob dies tatsächlich im Sinne seines Verfassers ( Ursinus ) gewesen wäre oder nicht." (ZITAT Beitrag DINGEL ).


Frau Prof. Dr. Dingel schloß ihren Vortrag mit den Worten:
"Ein Jubiläum wie dieses kann und sollte also auch Anlaß geben für das Wiederentdecken einer christlichen Identität mit ihren unverwechselbaren Akzenten." ( ZITAT Beitrag DINGEL ).

Nach den Dankesworten an die Referentin mit Blumen und Ev. Kirchenwein, an Herrn Kantor Ellenberger, an die Christuskirchengemeinde und an alle Mithelfenden bei der Vorbereitung und Durchführung der Veranstaltung" und dem "Aronitischen Segen" von Pfr. Beier, schloß Kantor Ellenberger mit einer Orgel-Choralbearbeitung "An den Wasserflüssen Babylons" - übrigens mit virtuosem "habilitiertem Pedalspiel" - von Johann Sebastian Bach.

Im Anschluß nutzten noch viele im Kirchnvorraum die Möglichkeit des Studiums der Ausstellungstafeln, eines Austauschs über das Gehörte, nicht zuletzt mit der Referentin selbst bei einem Glas guten Weins.

Noch eine kleine Anmerkung zum Schluss:

Pfr. Beier unterbrach diese Runde kurz mit dem Hinweis:

gerade hatte sich ihm eine ungarisch-reformierte Christin persönlich vorgestellt. In ihrer Hand hielt sie ein Exemplar des gerade besprochenen "Heidelberger Katechismus" - gedruckt in unseren Tagen.
Die vielen Unterstreichungen und Anmerkungen in ihrem Textexemplar ließen erkennen -
und so beschrieb sie auch ihren Umgang ganz persönlich heute damit:

sie trägt IHREN "Heidelberger Katechismus" immer bei sich und lebt mit und aus ihm."Den Glauben ins Leben ziehen -


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Zur Erinnerung:
Die Einladung


"450 Jahre Heidelberger Katechismus"
Festvortrag mit Frau Prof. Dr. Irene Dingel
am 12. November um 19 Uhr
in der Christuskirche Mainz


Auf der Grundlage der freundlichen Zusage von Frau Prof. Dr. Irene Dingel, der Direktorin des "Leibniz-Instituts für Europäische Geschichte / Abteilung für abendländische Religionsgeschichte" und Professorin für Kirchen-und Dogmengeschichte an der Ev. theol. Fakultät der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, veranstaltet die Projektgruppe "Ev. Profil" der Ev. Stadtkirchenarbeit eine Fest-Vortragsveranstaltung in Mainz im 450. Jubiläumsjahr zum Thema dieses zentral-wichtigen "Handbuchs christlichen Lebens" aus reformierter Sicht.

Kantor Volker Ellenberger hat die musikalische Gestaltung mit Orgelbeiträgen übernommen.

Begleitend wird eine kleine Ausstellung mit 11 Info-Tafeln

"450 Jahre Heidelberger Katechismus
  -Entstehung - Inhalt - Wirkung"

im Foyer der Christuskirche zu sehen sein.

Überblick:

Tafel 1: Ein Katechismus ¬– Was ist das, wozu nützt er?
Tafel 2: Der Heidelberger Katechismus – Warum entstand in Heidelberg ein neuer Katechismus?
Tafel 3: Auftraggeber und Autoren – Wer hat den Katechismus gemacht?
Tafel 4: Aufbau, Inhalt, Sprache – Klar, persönlich und biblisch begründet
Tafel 5: Klima, Aberglaube, Wissenschaft – In welcher Umwelt entstand der Katechismus?
Tafel 6: Verbreitung und Wirkung – Wie und wo wurde der Katechismus bekannt?
Tafel 7: Prophet, Lehrer und König – Was sagt der Katechismus von Jesus Christus?
Tafel 8: Geneigt zu allem Bösen – Was sagt der Katechismus vom Menschen?
Tafel 9: Gemeinschaft der Heiligen – Was sagt der Katechismus von der Kirche?
Tafel 10: Ethik aus Dankbarkeit – Was sagt der Katechismus von den guten Werken?
Tafel 11: Zuspruch und Widerspruch – Fordert der Katechismus heraus?


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Der Heidelberger Katechismus wurde in 40 Sprachen übersetzt und fand eine weltweite Verbreitung und Annahme, besonders in Ländern und Kirchen mit reformierter Prägung. Neben dem "Kleinen Katechismus" von Martin Luther spielt er für die "christliche Glaubenslehre" bzw. deren Vermittlung eine große Rolle.

Aus Mainzer Sicht ist dieses reformierte Dokument wichtig, da hier die erste evangelische Kirchengemeinde 1802 in lutherischer und reformierter Tradition uniert begründet wurde.

Dieser Katechismus entwickelt das Wesen des christlichen Glaubens in Form eines Frage-Antwort-Schemas. Die erste von 129 Fragen lautet:
"Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?"

Die Antwort darauf - und vieles mehr hören Sie dann im Festvortrag.

Die Herausforderung damals wie heute war und ist: Auf die Frage von Interessierten und Neugierigen nach dem Wesentlichen des Christlichen "kurz und knapp", sowie fundiert Antwort geben zu können

Herzliche Einladung !
12. November 2013 - 19 Uhr in der Mainzer Christuskirche

HINWEISE:

Einlaß ab 18 Uhr

Der Eintritt für den Vortrag ist frei.
Wir freuen uns über eine unterstützende Spende für die weiteren Kosten ( z.B. Ausstellung )

Nach dem Vortrag ist Möglichkeit zu weiterer Besichtigung der Ausstellung
und zum Gespräch bei Ev. Kirchen-Wein und Saft

 

WEITERE INFORMATIONEN:

www.heidelberger-katechismus.net/6401-214-227-50.html


PRESSETEXT der PROJEKTSTELLE "450 Jahre Heidelberger Katechismus"



Ein Klassiker aus der Reformationszeit wird 450 Jahre alt:

Der HEIDELBERGER KATECHISMUS


2013 wird der HEIDELBERGER KATECHISMUS 450 Jahre alt. Ein kleines Buch mit großer Wirkung für reformierte und unierte Kirchen weltweit, ähnlich wie Martin Luthers Kleiner Katechismus für lutherische Kirchen.

Seinen Namen hat der 1563 für die Kurpfalz veröffentlichte Katechismus von seinem Entstehungs- und ersten Erscheinungsort Heidelberg. Der pfälzische Kurfürst Friedrich III., später auch der Fromme genannt, gab ihn in Auftrag. Er wollte mit einem neuen Unterrichtsbuch die schulische und kirchliche Bildung in seinem Fürstentum auf eine solide und die verschiedenen Richtungen der Reformation zusammenführende Grundlage stellen.

Verfasser des aus 129 Fragen und Antworten bestehenden Textes ist hauptsächlich der aus Breslau stammende und an die Universität Heidelberg berufene junge Professor für Dogmatik Zacharias Ursinus (1534-1583). Er war Schüler Philipp Melanchthons in Wittenberg, hatte aber auch die Zürcher und Genfer Richtung der Reformation kennengelernt. So konnten sowohl lutherische und melanchthonische als auch zwinglische und calvinische Gedanken in sein Werk einfließen. Als Hinführung zur eigen-ständigen Bibellektüre wurden dem Text auf Wunsch des Kurfürsten Bibelstellen an den Rand gestellt.

Verbindlichkeit für die ganze Pfalz bekam der Katechismus durch Einbindung in die im Herbst 1563 verabschiedete neue Kirchenordnung. Verbreitung fand er aber auch über die Kurpfalz hinaus. Flüchtlingsgemeinden wurden auf ihn aufmerksam und machten ihn zu ihrem Unterrichts- und Lehrbuch. In reformiert geführten Territorien wurde er eingeführt. 1618/19 akzeptierte die Synode in Dordrecht den Katechismus als Bekenntnisbuch für reformierte Kirchen. Englische Delegierte sollen nach ihrer Rückkehr berichtet haben, das „Büchlein sei mit Tonnen Goldes nicht aufzuwiegen“. Durch den Katechismus wurde der Zugang zu Wissen und Bildung für alle Volksschichten gefördert. Handels-beziehungen und Auswanderung brachten ihn nach Übersee. So wurde der Katechismus zu einem in Europa und weltweit gesellschaftlich prägenden Kulturgut. Mehr als 40 Übersetzungen sind bekannt.

Bis heute gehört der Katechismus in reformierten und unierten Kirchen zu einer ihrer Grundlagen von Lehre und Bekenntnis. Auch die seelsorgerliche Kompetenz des Textes hat dazu beigetragen, dass der „Heidelberger“ trotz seines Alters noch immer geschätzt wird. Die berühmte erste Frage: „Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?“, spricht auch heute viele Menschen an.

Anlässlich des Jubiläums finden zahlreiche Veranstaltungen statt, die die theologische, ökumenische und gesellschaftliche Bedeutung und Wirkung dieses Katechismus zum Ausdruck bringen. So ist bis zum 15. September 2013 in Heidelberg im Schloss und im Kurpfälzischen Museum eine Ausstellung unter dem Titel „Macht des Glaubens“ zu sehen. Die festliche Eröffnungsveranstaltung fand am 11. Mai 2013 statt.

Der Reformierte Bund in Deutschland bietet eine Wanderausstellung an unter dem Titel „450 JAHRE HEIDELBERGER KATECHISMUS – Entstehung, Inhalt, Wirkung“. Sie wurde am 2. November 2012 im Rahmen der EKD Synode in Timmendorfer Strand eröffnet und „wandert“ seitdem in mehreren Exemplaren durch Deutschland und einige Nachbarländer. Sie kann von Institutionen und Gemeinden ausgeliehen werden. Weitere Informationen unter http://www.heidelberger-katechismus.net/9146-0-227-50.html.

Veranstaltungs- und Veröffentlichungshinweise, den gesamten Text des Katechismus sowie Materialien und Informationen zur Entstehung, zur Wirkung, zum Inhalt – auch mit Interviews – gibt es auf der Website www.heidelberger-katechismus.net

KONTAKT  bezüglich des Jubiläumsjahres insgesamt:

Aleida Siller,

Beauftragte für das Jubiläumsjahr des Heidelberger Katechismus
Reformierter Bund in Deutschland
Knochenhauerstr. 42
30159 Hannover
Tel.: 0511 473 99 376
Fax.: 0511 473 99 428
E-Mail: siller@reformierter-bund de




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