Evangelische Stadtkirchenarbeit Mainz
Eröffnung des Projektes "SCHÖPFERISCHER KOSMOS"

Redebeitrag Pfarrer Rainer Beier:

"Der Blick in den Himmel" -
vom Beter des Psalms 8, der "Himmelsscheibe von Nebra" und von uns heute


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„Wenn ich sehe die Himmel,
Deiner Hände Werk,
den Mond und die Sterne,
die DU, GOTT bereitest hast,
was ist der Mensch?“

Verse aus der Mitte der Heiligen Schrift, der Bibel: aus Psalm 8.

Worte eines Beters - im Blick zum Himmel -
im Gegenüber zu Gott, dem Schöpfer der sichtbaren und unsichtbaren Welt.

Der Blick zum Himmel hat Menschen wohl schon immer fasziniert.

Und wenn ich „in den Himmel schaue“ und rede weiter von „Mond und den Sternen“,
dann meine ich insbesondere den Nachthimmel.

Der Blick zum Himmel - in der Nacht.
Ein besonderes Faszinosum.

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mit-Betrachtende!

„Schöpferischer Kosmos“ -

die Cosmos-Bilder von Bernd Zimmer im Dialog mit der „Himmelsscheibe von Nebra.“
Darum geht es in dieser Ausstellung.

Nehmen wir zunächst ein einzigartiges Dokument menschlicher Himmelsbeobachtung wahr -
mehrere tausend Jahre alt:.

die „Himmelsscheibe von Nebra“.

Ihr Fund 1999 war eine Sensation - verquickt in eine Kriminalgeschichte.

Denn es waren Räuber, die auf der Suche nach wertvollen Objekten auf die Original-Himmelsscheibe stießen.

Nach abenteuerlichen Umwegen fand die „Himmelsscheibe von Nebra“ letztlich ihren mit Panzerglas und Stahltüren gesicherten Ort im Landesmuseum für Frühgeschichte in Halle.

Schritt für Schritt entzifferten Wissenschaftler dann akribisch genau die Botschaft auf dieser 32 cm großen Bronzescheibe.

Die Überraschung war groß, die Erkenntnis sensationell:
es ist die älteste bekannte Darstellung des Himmels aus menschlicher Hand weltweit:

dieser „geschmiedete Himmel der Bronzezeit“ ist ca. 3 600 Jahre alt
Fundort: Nebra - südwestlich von Halle. Sie wurde dort rituell begraben.

Mit jeder neuen Deute-Erkenntnis wuchs die Verblüffung der Wissenschaftler:
Die einzelnen Motive der Darstellung sind nicht willkürlich auf der Scheibe verteilt.
Nein.
Ein Beispiel:

Die räumliche Beziehung des Mondes mit einer exakt definierten Sichelbreite zu der Planetengruppe der Pleijaden ermöglicht beispielsweise eine genaue Zuordnung von Sonnen- und Mondjahr.
Wichtige Aussaat- und Erntetermine konnten damit berechnet werden.
Erst 1 000 Jahre später findet sich über diese Sachverhalte eine Textversion aus Babylon.

Hier in unserer Ausstellung zeigen wir eine Sonderanfertigung der „Himmelscheibe“,

eine hochwertige Replik der Firma DIETZ - in der Originalgröße von 32 cm mit ebenfalls Goldauflage und extra handpatinierter Rückseite.

Die „Himmelsscheibe von Nebra“ -
die älteste „Ur-Kunde“ eines menschlichen Blicks zum Nacht-Himmel und seiner Umsetzung -
mit religiösem Respekt und praktischem Nutzen für menschliches, bäuerliches Leben

Und wie ist es heute?
Machen wir einen großen „Zeit-Sprung“!

Wie und mit welchen Konsequenzen schauen wir Menschen des 21. Jahrhunderts in den Himmel, in den Kosmos?

Selbstverständlich sind unsere technischen Möglichkeiten der Himmels-Betrachtung in die Weiten des Weltenraumes - z.B. mit dem Hubble-Teleskop - und die Auswertung des Beobachtbaren mithilfe von Riesen-Computern ungeheuer gewachsen.

Dabei treten Wahr-nehmungen aus dem Makro-Kosmos neben die Forschungsergebnisse aus dem Mikro-Kosmos und führen aktuell zu verblüffenden Ergebnissen:

Weltbilder zerbrechen.

Das beginnt „einfach“, mit dem weiter bewusst werden der Relativität unserer eigenen menschlichen Wahrnehmung.

Beispiel:

Das Licht vieler Sterne, die wir am nächtlichen Himmel erkennen können, sind Botschaften von längst vergangenen Planeten. Im Moment unserer Wahrnehmung hat dieses Licht einen so langen Weg hinter sich, dass der ursprünglich ausstrahlende Stern inzwischen längst „gestorben“ ist.

Was ist also „wirklich“ - gemäß unserer Wahrnehmung?

Längst müssen wir uns bei unserem Fragen von für manche lieb gewordenen, materialistischen Weltbildern verabschieden.
Die Erkenntnisse der Makro-und Mikro-Physik nötigen zu einem neuen „Suchen und Entdecken wollen“, ja müssen.

Die „Dunkelheit“ unseres aktuellen Wissens markieren in der Astronomie Begriffe wie „Schwarze Löcher“ oder „Schwarze Energie“.

Man kann sich nicht erklären, warum z.B. entgegen eines Grundgesetzes der traditionellen Physik, die seit dem Ur-Knall auseinander strebenden Himmelskörper in diesem Vorgang nicht langsamer, sondern schneller werden.

Aber es geht inzwischen noch viel weiter ins Grundsätzliche:

Prof. Dr. Hans Peter Dürr,

Schüler des Nobelpreisträger Werner Karl Heisenberg, einem der bedeutendsten Physiker des 20. Jahrhunderts,

formuliert diesen Umbruch in seinem Büchlein: „Geist, Kosmos und Physik“ aus dem Jahr 2010 so:

„Anfang des letzten Jahrhunderts stieß die Physik jedoch auf ganz neue Phänomene, die mit der bisher so erfolgreichen und, aufgrund ihrer strukturellen Konsistenz, als streng gültig betrachteten klassischen Physik nicht mehr erklärt werden konnten.

Es war dann die fortschreitende Forschung im Mikrokosmos, wo man in den Atomen endlich die letzten, nicht mehr weiter teilbaren Bausteine der Materie glaubte entdeckt zu haben, die zur großen Überraschung der Physiker zu dem paradoxen Ergebnis kam, daß es kleinste materielle Bausteine in gewohnten Sinn gar nicht gibt.

Die Auflösung dieser Paradoxie führte zu einer radikal anderen Weltsicht.

Aus „greifbaren Dingen“, Teilchen wurden „nicht greifbare Prozesse“, Passierchen. Die bisherige Vorstellung der Welt als „Realität“ ( von lat. res = Ding ) musste anders und wesentlich erweitert als eine Art „Wirklichkeit“ gedeutet werden, als eine nicht-auftrennbare, immaterielle, lebendig wirkende Potenzialität in ständigem Wandel.“

Zitat-Ende.

Liebe Mitbetrachtende,

lassen sie sich mit diesem Gesamt-Projekt „Schöpferischer Kosmos“ herausfordern und einladen:

Von der Faszination der Exponate, Gemälde und Bilder, der Vorlesungen und Filme -
zur Faszination der Welt-Bilder darin und dahinter.

Vielleicht - ich sage: wahrscheinlich - müssen sie ihr eigenes Welt-Bild, Gottes-Bild und Selbst-Bild ändern.



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