Evangelische Stadtkirchenarbeit Mainz


Pressebericht von Frau Dr. Weisheit-Zenz

Rückblick, Einblicke und Ausblicke
Film- und Gesprächsabend zur „Europa-Saga“ mit Stefan Brauburger


Mainz. „Woher wir kommen. Was uns eint. Wohin wir wollen“: Im Zeichen dieser zentralen Fragen stand ein informativer Film- und Vortragsabend mit Stefan Brauburger im Haus der evangelischen Kirche. Die Basis bildete ein Dokumentarfilm seiner Reihe „Europa-Saga“.

Einen weiten Bogen – von der Entstehungszeit Europas vor 135 Millionen Jahren bis in die Gegenwart und Zukunft – spannte die Veranstaltung, zu der Stadtkirchenpfarrer Rainer Beier viele interessierte Zuhörer begrüßen konnte. Passend zum Jahresthema im Dekanat wurde das historische Querschnittsthema zunächst im Film betrachtet und dann in der Runde diskutiert.

Sendereihen wie „Die Deutschen“ oder zu deutsch-französischen oder -polnischen Beziehungen waren einigen Zuhörern bekannt. Seit über 25 Jahren im Dokumentarfilmbereich tätig, hat Stefan Brauburger mehrfach Preise für seine international angelegten Werke erhalten. Er leitet die ZDF-Redaktion Zeitgeschichte und ist Mitautor von Buchveröffentlichungen. Literatur gibt es auch zu den insgesamt sechs Teilen der aufwändigen ZDF-Dokumentation, von denen der erste gezeigt wurde. Die spannende Frage, woher wir als Europäer kommen und wer wir sind, führte unter anderem in Höhlen und nach Griechenland, mit Athen als Wiege der Demokratie. Erstmals gab es dort Verfassung, Volksversammlung und unabhängige Gerichte – ein wichtiges Fundament der europäischen Staatengemeinschaft, wie Prof. Christopher Clark als Experte erklärte. Zudem, so wurde im Film deutlich, trafen und mischten sich Menschen verschiedener Kulturen; bunt sei es auf dem Kontinent schon von Beginn an zugegangen. Ein Bewusstsein dafür, ihn als Ganzes und römisches Imperium beherrschen zu wollen, gab es erstmals unter Cäsar und Augustus. Vor allem Straßen und Sprache schufen dabei über weite Strecken hinweg wichtige Verbindungen.

In nur 80 Tagen unterwegs durch Europa über 40 Stationen zu bereisen und zu filmen, dies sei eine logistische Meisterleistung gewesen für das Produktionsteam, erklärte Stefan Brauburger. Von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt seien viele Mitarbeitende einiger Gewerke beteiligt gewesen, von der Planung und Recherche über Computergrafik bis zu Landschaftsaufnahmen. Dank neuer technischer Möglichkeiten sei vieles machbar und effizienter geworden, ob Szenen als Rekonstruktion historischer Ereignisse oder Luftaufnahmen mit Hilfe von Drohnen. Durch die Mischung aus Kompetenz, sympathischer Präsentation und einer gewissen Außensicht als gebürtiger Australier sei der Cambridge-Professor Christopher Clark ein Glücksfall, hieß es.

Gut nachvollziehbar arbeitete Stefan Brauburger im Gespräch wichtige Linien heraus. Prägend für die Entwicklung Europas waren demnach Reiche mit einer gewissen Stabilität, doch auch Rivalität, speziell an den Rändern. Oft gescheitert sei auch das Modell einer Balance der Mächte. In der Folgezeit kam es über die gemeinsame europäische Idee und den Glauben daran zum Wunsch nach echtem Miteinander – als historische Leistung und Ausweg aus stetigen Kriegen.

Ein visionärer Schritt waren auch die Römischen Verträge von 1957, die Weichen stellten für gemeinsamen Markt und Politik. Dabei wurden Rechte an übergeordnete Instanz abgegeben, beschrieb Stefan Brauburger kenntnisreich wichtige Grundlagen und beantwortete interessierte Nachfragen. Heute sei oftmals ein Ausloten sinnvoll, in welchen Bereichen auf der Ebene von Bundesländern und Nationalstaat eigenständig geplant oder wo gemeinsam, mit dem Blick auf Europa, entschieden werden sollte. Herausforderungen von allen Seiten kamen zur Sprache, vor allem durch globale Supermächte und Spannungsfelder durch soziales Gefälle. Solidarität mit Geflüchteten sei gerade für Länder wie Polen nicht einzufordern ohne eine verständnisvolle Sicht auf die Historie: Über lange Zeit eine kollektive Identität zu entwickeln, ohne eigenen Staat, sei kaum möglich gewesen ohne Abgrenzung von anderen. Generell, so der Referent im Ausblick, sei wieder mehr europäischer Geist gefragt, um Probleme der heutigen Zeit gemeinsam zu lösen.


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