Evangelische Stadtkirchenarbeit Mainz


"THOR gegen CHRISTUS -
Die Germanisierung des Christentums in Europa im Frühmittelalter


„Götterkämpfe“ wie die zwischen Thor und Christus und die mitunter sehr energische Verbreitung des Christentums durch skandinavische Könige erwecken auf den ersten Blick nicht den Eindruck, als sei der vorchristliche pagane Polytheismus der Germanen von irgendeinem Einfluss auf das in Europa von Süden nach Norden vorrückende Christentum gewesen. Vor dem Hintergrund der Bekehrungsgeschichte der Germanen soll aber hier die Frage beleuchtet werden, wie sehr und in welchen Formen die Übernahme des Christentums durch die Germanen die Vorstellungen und Institutionen des vorreformatorischen Christentums im europäischen Mittelalter selbst beeinflusst und verändert haben.

Vortrag

Prof. Dr. Dr. h.c. Rudolf Simek

Institut für Germanistik,
Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaften Abteilung für Skandinavistik

Universität Bonn

Informationen zum Referenten:

Von 1972 bis 1976 studierte Simek Germanistik, Philosophie und katholische Theologie. Im Jahr 1976 war er zunächst für kurze Zeit als Lehrer an einer Hauptschule tätig, ehe er an der University of Edinburgh sein erstes Lehramt an einer Hochschule antrat, das er bis 1979 ausführte. Nach der Promotion 1980 und dem Magister der Theologie 1981 in Wien, wo er sich 1990 habilitierte, leitete Simek bis 1995 die Fachbibliothek des dortigen germanistischen Instituts und war von 1981 bis 1989 als Dozent tätig. Die Dozentenstelle behielt er bis 1995. Von 1990 bis 1995 hatte Simek gleichzeitig eine Professur für Germanistik an der Katholischen Universität von Heiligenkreuz inne.

Seit 1995 ist er Professor und Lehrstuhlinhaber für Ältere Germanistik mit Einschluss des Nordischen an der Universität Bonn. 1999 erhielt er eine Professur für Vergleichende Religionswissenschaft an der Universität Tromsø, 2000 an der Universität Sydney für Altnordische Studien. Zu diesen ordentlichen Professuren kommen zahlreiche Gastprofessuren und Dozentenstellen an europäischen und außereuropäischen universitären Bildungsstätten. Längere Forschungsaufenthalte hatte er an den Hochschulen von Reykjavík, Kopenhagen, London, Oxford und Sydney. Von 2000 bis 2003 war Simek Vorsitzender der Internationalen-Saga-Gesellschaft.

Simek ist die direkte Vorlage für die Figur des „Professor Weissinger“ in Tommy Krappweis' Romantrilogie „Mara und der Feuerbringer“. In der gleichnamigen Verfilmung 2015 spielte Simek die Rolle des Lehrers Haase.

Mittwoch, 24. Oktober 2018
19.30 Uhr

im Raum "Erfurt", Haus der Evangelischen Kirche, Kaiserstr. 37 ( 4. Stock ) - 55 116 Mainz

HIER der Kurzbericht über diese Veranstaltung von der Ev. Öffentlichkeitsarbeit:
Verfasserin:Frau Dr. Weisheit-Zenz

Warum wir beim Beten die Hände falten
Evangelisches Dekanat Mainz:
Prof. Rudolf Simek referiert über Europäisierung des Christentums

Mainz. „Götterkämpfe“, speziell zwischen Thor und Christus, spielten im Alltag der Menschen wohl kaum eine Rolle. Weit verbreitet seien vielmehr Mischformen gewesen: etwa an Jesus zu glauben, doch auf See oder in Schwierigkeiten auch Thor anzurufen, berichtete Professor Rudolf Simek, international renommierter Fachmann für die geschichtliche und religiöse Entwicklung im Norden Europas, bei einem Vortrag, zu dem die Stadtkirchenarbeit im Evangelischen Dekanat Mainz eingeladen hatte.

Simek, der am Institut für Germanistik, vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaften in der Abteilung für Skandinavistik an der Universität Bonn lehrt, stellte Götter aus der Mythologie der Eddas vor, zu denen oft nur wenige Fundstücke und schriftliche Belege existieren. Thor galt einst als stärkster aller Götter. Überlieferte Bräuche waren regional unterschiedlich, wie Totenbräuche mit Schiffssetzungen. Beigaben dienten offenbar einst auch dazu, den Wohlstand der jeweiligen Familie anzuzeigen.

Mit Blick auf das Jenseits habe das Christentum vielen ein akzeptableres Sinnangebot gemacht, vor allem Frauen, erklärte Simek. Eine systematischere Christianisierung Skandinaviens sei eher durch die Könige erfolgt als zuvor durch Missionare, die keine länger anhaltenden Erfolge hätten erzielen können. Steinerne Gebetskreuze sind noch heute erhalten, sie waren oft noch vor den Kirchen entstanden, als wichtige äußere und soziale Komponenten des Glaubens.

Für die hiesige Region geht Stadtkirchenpfarrer Rainer Beier von einem römisch-keltisch-germanischen Verbund aus und spricht gerne von einer „Europäisierung des Christentums“. Denn Gesten wie das Händefalten beim Beten hätten germanische Ursprünge und seien für Jesus gar nicht belegt. Auch die Heiligenverehrung mit Umzügen sei erst später zum beliebten Brauch geworden.

Der Vortrag zur Rolle der germanischen Traditionen für das vorrückende Christentum in Europa reihte sich ein in das Jahresthema Europa, das das Evangelische Dekanat Mainz bereits seit Jahresbeginn in unterschiedlichen Veranstaltungsinhalten und -formaten aufgreift. „Europa hat gerade in seinen christlichen Traditionen ein wichtiges Erbe, das zugleich Perspektiven für die Zukunft weist“, sagte Beier.


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